Wie kaum ein anderes System an Körperübungen ist Hatha-Yoga geeignet, unser Wohlbefinden spürbar zu verbessern. Gleichzeitig vermag es ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Innen und Außen zu schaffen, unser seelisch-geistiges Leben und unseren physischen Körper auszubalancieren.

Yoga kann jeder üben, der sich noch bewegen kann, es sind keine Vorkenntnisse nötig und auch kein durchtrainierter Körper. Was allerdings von Vorteil ist: sich einlassen können auf Neues, auf neue Bewegungsmuster, neue Gedanken, auf Stille und innere Einkehr. Denn anders als bei Sport oder Gymnastik sind hier die Bewegungen verbunden mit Aufmerksamkeit, mit dem Atem, mit Konzentration auf das eigene Innere. Und so entfaltet sich dieses uralte System Indiens zu einem Gesundheitsprogramm sondergleichen. Wie es im einzelnen wirkt, möchte ich kurz beschreiben:

 

  • ASANAS: Mit diesem Sanskrit-Wort werden die Körperhaltungen bezeichnet. Jede von ihnen trägt einen Sanskritnamen, welcher der Natur abgeschaut ist. Deshalb finden sich so viele Tiernamen wie Katze, Tiger, Hund, Schwan usw. im Yoga. Aber auch Baum, Berg oder Brücke kommen vor. Auch wenn sich der Ursprung des Yoga im Dunkel der Vergangenheit verliert, ist doch gewiss, dass die Asanas einer tiefen Verbundenheit mit dem Kosmos, mit der Natur und geistigen Welt entsprungen sind. Und hier liegt auch die große Wirksamkeit der einzelnen Posen: sie wirken sowohl auf den Körper, den Stoffwechsel, das Drüsen- und Nervensystem als auch unseren Geist und emotionales Empfinden - in subtiler und sehr ausgleichender Weise. Unsere Körperwahrnehmung steigert sich, wir fühlen uns wieder mehr "zuhause" im eigenen Leib, und unsere Sinne werden mit frischer Lebenskraft aufgeladen.
  • ATEM: Über die Wichtigkeit einer bewussten Atmung ist schon viel gesprochen worden, aber die meisten Menschen beschäftigen sich selten damit. Schließlich hat die Natur es weise eingerichtet, dass dieser lebenswichtige Vorgang automatisch, also unbewusst abläuft. Genau wie unser Herzschlag. Wenn wir allerdings beginnen, bewusst auf unseren Atem einzuwirken, bekommen wir einen Schlüssel in die Hand, mit dem wir unser Wohlbefinden direkt steuern können. Ein tiefer, gleichmäßiger Atem verbessert die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn, fördert die Durchblutung, lässt die Organe effizienter arbeiten und beruhigt. Stress oder starke emotionale Erlebnisse lassen unseren Atem sehr schnell flach und oberflächlich werden. Und damit verändert sich unser ganzes Körpersystem und ebenso unsere Gemütslage. Yoga-Übungen setzen hier an und lenken den Atem bewusst in die bewegten Körperbereiche. Sie können anregen oder beruhigen. Und das Geschenk regelmäßiger Übung ist: wir nehmen schneller wahr, wenn wir nicht mehr richtig atmen und können darauf einwirken, uns beruhigen -und der Stressfalle entkommen. 
  • SYMMETRIE: Dieser Aspekt ist wichtiges Merkmal der Asanas. Unsere meist ungleich beanspruchte Muskulatur kann sich durch symmetrisch ausgeführte Übungen wieder ausgleichen und erholen. Damit können viele Beschwerden gelindert oder rückgängig gemacht werden. Ein guter Ausgleich zwischen rechter und linker Körperseite lässt auch die Wirbelsäule aufatmen. Sympathikus und Parasympathikus, aktive und passive Seite, Dynamik und Entspannung werden in Balance gebracht. So gelingt es uns viel besser, von der Aktivität in die Ruhe zu kommen. 
  • GLEICHGEWICHT: Wer kennt ihn nicht, den "Baum"  - einen Klassiker unter den Yogaübungen? Er trägt auch den klingenden Namen: Ekapada Pranamasana - Gruß auf einem Bein. Auf einem Bein zu stehen erfordert ein gutes Gleichgewicht. Mit den Jahren kann es uns aber durchaus abhanden kommen. Im Yoga wird gezielt diese wichtige Fähigkeit geübt, denn sie hilft uns nicht nur, bis ins hohe Alter fit zu bleiben, sondern schult auch unsere Konzentrationskraft und verbessert unser Nervensystem. Eine gute Voraussetzung, die Gedanken zu kontrollieren und innere Ruhe zu finden.